Nord-Irland 2010
Nicht nur der Keltische Tiger lahmt...
… auch der britische Löwe hängt am Tropf, und mit ihm das zum Vereinigten Königreich gehörige Stück von Irland, aus dem alljährlich unsere Austauschjugendlichen kommen.
Anfang des Jahres kam die Hiobsbotschaft aus Craigavon: Die Finanzkrise habe Nord-Irland in den Klauen und das zuständige Ministerium „logischerweise“ den Rotstift bei der Jugendarbeit angesetzt, und die Gelder für besondere Projekte (wie den Austausch mit uns) nicht nur gekürzt, sondern total gestrichen. Kein müder Penny blieb folglich unserem Partner in Craigavon, um seinen Teil auf die Beine zu stellen. Was also tun? Die ganze Sache abblasen, den Austausch möglicherweise sterben lassen, oder zumindest die 9 Tage in Burghausen durchführen, um wenigstens den halben Spaß zu haben? Bliebe das Problem der Eigenbeteiligung für die Nord-Iren, werden doch Reisekosten von „Jugend in Aktion“ im Falle eines Zuschusses nur zu 70% übernommen. Und dann brach auch noch ein Teil der Burghauser Teilnehmer weg; klar, die Arbeit hier haben, aber selber nicht nach Nord-Irland kommen… Endlose Telefonate zwischen Burghausen und Craigavon, Beschwichtigungen und Beschwörungen, Verzweiflung und Hoffnung, und schließlich hier eine Gruppe voller Vorfreude und Vorbereitungsstress, und dort eine Gruppe voller Vorfreude und Reisefieber. Wir haben es getan, und auch im Jahr 2010 war es einfach wieder sagenhaft. Besser noch, denn alle wussten, wie knapp es gewesen war, und genossen darum das bay-irische Miteinander umso mehr. Manche Sachen ändern sich nie. Wie in jedem Jahr stand die Beschäftigung mit deutscher und nord-irischer Geschichte auf dem Programm. Nach den Besuchen in Dachau und Mauthausen in den letzten Jahren gings heuer zum Dokumentationszentrum Obersalzberg. Später zog dann ein bergiges Unwetter herauf und sorgte dafür, dass der Aufstieg zum Stahlhaus durch die Benutzung der Jennerbahn ersetzt wurde. (Auch das schlechte Wetter gehört mittlerweile zu unseren festen Größen bei unseren Bergausflügen im Rahmen des Austausches.) Soll niemand behaupten, in Irland gebe es keine Berge, aber die Alpen spielen zweifellos in einer anderen Liga, sodass das schlechte Wetter der Begeisterung der Insulaner keinen Abbruch tat, zumal später die Wolkendecke aufriss, um uns dann am nächsten Morgen beim Abstieg allerdings so richtig zu beglücken. Gewohnterweise gab es natürlich auch allerlei Gruppendynamisches und Workshops, die allabendlichen Reflektionsrunden und das alles abschließende Sich-in-den-Arm-Fallen und die Schultern-voll-Heulen zum Abschied. Manchmal aber wundert man sich, denn Vertrautes ist verschwunden und an seine Stelle tritt etwas vollkommen Neues. So sind unsere Nord-Iren z.B. mittlerweile dermaßen pünktlich, dass die früher obligatorische halbe Stunde vor Abfahrt oder Start durch exakte Zeitangaben ersetzt werden kann. Oder auch die Tatsache, dass die Teilnehmer aus Craigavon das hier gekochte Essen vertragen, ohne auf Chips und Cola zurück greifen zu müssen. Domizil war für die Zeit der Begegnung das städtische Freizeitheim, das uns von den dortigen Hauptamtlichen und Jugendräten freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Und nicht nur, dass wir damit für unsere Verpflegung selber sorgen konnten und für die Workshops wie auch die Feierabendbeschäftigungen genügend Platz war, wir hatten das notwendige Tonstudio zur Aufnahme der Lieder auch noch direkt unterm Dach. Da die Feldbetten des österreichischen Roten Kreuzes bequem waren störte es auch nicht außerordentlich, dass zum Duschen der Gang ins nahe gelegene Wöhrseebad notwendig war.
Zu den Highlights der diesjährigen Begegnung zählte auf alle Fälle die musikalische Arbeit zum Thema Grenzen. Herausgekommen sind 3 Lieder, die es eventuell an Qualität und Gesangsvermögen mangeln lassen (aber man bedenke, dass die beiden Gruppen sich bis Anfang August nicht gekannt haben und die Erarbeitung der Lieder nur einer von vielen Punkten in denn 9 Tagen war), aber auf keinen Fall an Herzblut. Damit aber spiegelt die Musik das Engagement aller Beteiligten über den gesamten Zeitraum der Begegnung wunderbar wider.
Wir danken den fleißigen Helfern und Unterstützern, ohne die die Jugendbegegnung nicht möglich gewesen wäre. Und natürlich ganz besonders „Jugend in Aktion“ für die Bezuschussung der Begegnung!
Hier die 3 Songs die in dieser Zeit aufgenommen wurden:
Jugendaustausch mit Nordirland 2009
Der Jugendaustausch zwischen Burghausen und Craigavon, einer Stadt im County Amagh, findet dieses Jahr zum dritten Mal statt.
Zwischen dem 1. und dem 9. August werden die Nordiren, eine Gruppe von 12 Jugendlichen und ihre drei Betreuer, unsere schöne Salzachstadt besuchen. Anschließend werden wir, eine Gruppe von 13 Jugendlichen und drei Betreuern vom 19. bis zum 27. August nach Craigavon fahren.
Das Ziel des Austausches ist es Freundschaften zwischen den Jugendlichen aus den beiden Ländern zu entwickeln und das Verständnis für die jeweilige Kultur und Geschichte des anderen Landes zu steigern. Für die deutschen Jugendlichen bietet der Austausch auch die Möglichkeit ihr Englisch zu verbessern und von Muttersprachlern zu lernen.
Soweit hört sich das eher theoretisch und ziemlich langweilig an. Doch wir, die es miterlebt haben, haben es oft als die beste Zeit ihres Lebens bezeichnet. Der Grund dafür ist die unglaubliche Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit der Nordiren. Wo bekommt man sonst schon am ersten Tag Gitarrenschnulzen vorgespielt?
Außerdem haben wir auch sonst wahnsinnig viel erlebt und gesehen, wie zum Beispiel die Naturschönheiten Giants Causeway und Carrickareed Ropebridge, oder die vom nordirischen Bürgerkrieg gezeichneten Städten Lurgan und Londonderry. Wir haben erfahren, welch tiefe Furchen dieser Bürgerkrieg in der nordirischen Bevölkerung hinterlassen hat und wie fremd sich die beiden Parteien, Republikaner und Unionisten, immer noch sind, sobald sich das Gespräch um Politik dreht. Trotz allen Friedensgesprächen muss man sich in Nordirland noch vorsichtig bewegen und darauf achten, was man sagt. Aber Nordirland ist kein Land mehr in dem man sich fürchten muss, da die extremistischen Organisationen den Rückhalt in der Bevölkerung verloren haben und sich jeder nach Frieden und einem unkomplizierten Miteinander sehnt.
Wir haben auch einen Einblick in das Jugendpolitiksystem bekommen. So gibt es im Parlament eine Abgeordnete, die die Interessen der Jugendlichen vertritt. Hier können die Jugendlichen auch Einfluss auf den Stadtrat nehmen, wenn die Themen sie betreffen.
Fazit: Wir haben viel gelernt, viel gefeiert und Spaß gehabt und hatten eine super Zeit, die keiner von uns missen möchte!
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Interesse bekommen?http://www.hini.org.uk/hostels/Whitepark-Bay-Youth-Hostel
Na dann sei doch dabei beim Jugendaustausch Burghausen – Craigavon 2010!
